Wärmepumpen gewinnen in Mehrfamilienhäusern zwar immer mehr an Bedeutung, werden in größeren Bestandsbauten aber noch weitaus seltener als bspw. in Einfamilienhäusern verbaut. Angesichts steigender Anforderungen an Klimaschutz und Energieeffizienz ist es jedoch essenziell, auch diese Gebäude mit klimafreundlichen Heizungen auszustatten. Dieser Artikel zeigt, wo der Einsatz besonders relevant ist und welche Kosten anfallen.
Wärmepumpe Mehrfamilienhaus: Warum sie auch hier sinnvoll ist
Der Kauf einer Wärmepumpe für ein Mehrfamilienhaus ist bereits seit einigen Jahren in der Regel sinnvoller als die Anschaffung einer neuen Gas- oder Ölheizung.
Bisher werden Wärmepumpen in den meisten Fällen für Ein- oder Zweifamilienhäuser eingesetzt. Doch führt am Umstieg auf Erneuerbare-Energien-Heizungen mittelfristig kein Weg vorbei. Dies liegt vor allem daran, dass Deutschland das Ziel hat bis 20245 klimaneutral zu sein, was seit letztem Jahr ebenfalls im „Heizungsgesetz“ (Gebäudeenergiegesetz, Abk. GEG) verankert ist.
Bis dahin können bereits installierte, funktionsfähige Gas- und Ölheizungen – abhängig von der gesetzlichen Austauschpflicht – weiterhin betrieben werden. Das aktuelle Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt jedoch vor, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diese Vorgabe gilt in Neubaugebieten bereits seit Januar 2024, während der Zeitpunkt für Bestandsgebäude von der kommunalen Wärmeplanung abhängt, die bis spätestens Juni 2028 in allen Bundesländern vorliegen muss.
Neben den gesetzlichen Vorgaben wünschen sich immer mehr Verbraucher eine größere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen plus den schwankenden Preisen. Denn zusätzlich zu steigenden Brennstoffkosten kommt die CO2-Steuer, welche jährlich erhöht wird.
Gut zu wissen: Für noch mehr Unabhängigkeit vom Energiemarkt setzen immer mehr Eigentümer auf eine Wärmepumpe, die mit Photovoltaik kombiniert wird. Der Investitionsbedarf liegt hier natürlich etwas höher, zahlt sich über einen längeren Zeitraum allerdings aus.
Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser: Studie zeigt Herausforderungen & belegt Sinnhaftigkeit
Ob Wärmepumpen in Mehrfamilienhäuser sinnvoll eingesetzt werden können, wollte auch ein 6-jähriges Forschungsprojekt des Projekt-Verbund “LowEx-Bestand” analysieren (Projektpartner: Uni Freiburg - INATECH; Fraunhofer-Institute für Solare Energiesysteme ISE; Karlsruher Institut Technologie - KIT). Das Forschungsprojekt fand von 2016 bis 2022 statt und konzentrierte sich dabei auf die Wärmeversorgung in sanierten Mehrfamilien-Bestandsgebäude.
Das Hauptziel der Forschung bestand darin, die potenziellen Energieeinsparungen und die Nutzung erneuerbarer Energien durch Wärmepumpen in Gebäuden aufzuzeigen, die ohne Verbesserungen der Gebäudehülle nachgerüstet wurden. Es sollten Lösungsansätze entwickelt und aufgezeigt werden, wie Mehrfamilienhäuser energiesparend modernisiert werden können.
Die durchgeführten Analysen zeigten im Ergebnis, dass ein Mangel an Wissen ein Hauptfaktor für die begrenzte Verwendung von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern ist. Diese Herausforderung betrifft sowohl die Gebäude- und Wohnungseigentümer als auch Investoren. Das Projekt unterstreicht daher die Notwendigkeit, Lösungen für die Nutzung von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern stärker zu standardisieren und zu vereinfachen.
Hinweis: Abschlussbericht als PDF-Download
Quelle: LowEx-Bestand (2016-2022): LowEx-Konzepte für die Wärmeversorgung von Mehrfamilien-Bestandsgebäuden, abgerufen am 28.02.2025.
Wärmepumpe Mehrfamilienhaus: Voraussetzungen für Mieter & Eigentümer
Wenn Sie als Wohnungseigentümer oder Mieter in einem Mehrfamilienhaus eine Wärmepumpe installieren möchten, können Sie dies nicht ohne Weiteres tun. Es müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, um die erforderlichen Umbauten vornehmen zu können.
- Für Wohnungseigentümer in einer Eigentümergemeinschaft
Falls eine Wärmepumpe als Heizsystem im gesamten Gebäude eingeführt werden soll, benötigen Sie die Zustimmung der Wohnungseigentümergemeinschaft, da die Kosten gemeinschaftlich getragen werden müssen. Ob eine einfache Mehrheit oder eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist, hängt davon ab, ob es sich um eine Erhaltungsmaßnahme oder eine bauliche Veränderung handelt.
Sollte ein Umstieg auf eine Wärmepumpe im gesamten Gebäude nicht möglich sein, aber Sie dennoch Ihre Wohnung mit einer Wärmepumpe beheizen wollen, könnte evtl. ein Balkon als Standort für die Wärmepumpe infrage kommen. In diesem Fall müssen Kältemittelleitungen durch die Hauswand verlegt werden, wofür ggf. die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft notwendig ist. Falls zudem Änderungen an den Heizkörpern oder deren Stilllegung erforderlich sind, muss gewährleistet werden, dass diese Änderungen keine negativen Auswirkungen auf die zentrale Heizungsanlage der anderen Wohnungen haben.
- Für Mieter in einem Mietshaus
Da der Einbau einer Wärmepumpe in Mietwohnungen in der Regel bauliche Veränderungen am Gebäude erfordert, können Mieter diese nicht eigenständig durchführen. Um eine Wärmepumpe in Ihrer Wohnung zu installieren, sind Sie daher auf die Genehmigung Ihres Vermieters angewiesen.
Wichtiger Hinweis: Bei der Installation einer Wärmepumpe im Außenbereich Ihrer Wohnung müssen die Geräuschemissionen gemäß der TA Lärm berücksichtigt werden. Der Betrieb Ihrer Wärmepumpe darf keine Belästigung für Nachbarn bzw. andere Wohnungseigentümer oder Anwohner der Umgebung verursachen.
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Herausforderungen einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus
Besonders in dicht besiedelten, urbanen Gebieten ist die Installation einer Wärmepumpe derzeit nicht immer möglich. Um die Wärmewende voranzutreiben, gilt neben Wärmepumpen daher vor allem Fernwärme als Schlüsseltechnologie für solche Gebiete. Denn Fernwärme stellt auch eine Erfüllungsoption gemäß GEG dar und soll im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung weiter ausgebaut und auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Wer in einem Mehrfamilienhaus auf eine Wärmepumpe umsteigen möchte, muss trotz der vielen Vorteile auch mit folgenden spezifischen Herausforderungen und Besonderheiten rechnen:
- Komplexere technologische Anforderungen
Soll ein Mehrfamilienhaus mit Wärmepumpe effizient beheizt werden, müssen die unterschiedlichen Wohnungsgrößen, Nutzungsprofile und Wärmedämmungen berücksichtigt werden. Diese Vielfalt und der individuelle Wärmebedarf machen die Dimensionierung der Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus, im Vergleich zu Einfamilienhäusern, wesentlich komplexer. Die Herausforderung besteht darin, die Wärmepumpe so auszulegen, dass sie den variierenden Wärmebedarf der verschiedenen Wohnungen optimal abdeckt.
Beispiel:
Angenommen, ein Mehrfamilienhaus mit 10 Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von 1.000 Quadratmetern benötigt eine durchschnittliche Heizleistung von 50 kW. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Wärmebedarfe der einzelnen Wohnungen und der Isolierung des Gebäudes könnte die Dimensionierung folgendermaßen aussehen:
Wohnung 1 (60 m², gut isoliert): 5 kW
Wohnung 2 (80 m², mittel isoliert): 7 kW
…
Wohnung 10 (100 m², schlecht isoliert): 10 kW
Insgesamt ergibt sich eine Gesamtleistung von 50 kW, um den Wärmebedarf des gesamten Mehrfamilienhauses mit Wärmepumpe zu decken. Hierbei sollte jedoch eine gewisse Reserve eingeplant werden, um Schwankungen im Wärmebedarf zu berücksichtigen. Eine Kaskadenschaltung (Verkettung mehrerer Anlagen) kann dabei helfen, die Anforderungen effizient zu erfüllen.
- Vielschichtige Eigentumsverhältnisse
Die Eigentumsverhältnisse von Mehrfamilienhäusern sind äußerst vielfältig und können Gemeinde, Wohnungsbaugesellschaften, oder verschiedenen Wohnungseigentümern angehören. Während der Einbau einer Wärmepumpe im Einfamilienhaus inzwischen als gängige Heizlösung angesehen wird, treffen Bewohner von Mehrfamilienhäusern oft auf Widerstand. Denn Unternehmungen, wie Wohnungsbaugesellschaften, agieren noch immer zurückhaltender hinsichtlich erneuerbaren Energien. Obwohl es vermehrt Neubauprojekte gibt, die von Anfang an auf effiziente und umweltfreundliche Technologien setzen, erfolgt die Nachrüstung in Mehrfamilien-Bestandsgebäuden eher schleppend.
Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus: Arten & Optionen
Aufgrund ihrer einfachen Installation ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die günstigste Wärmepumpenvariante, die vor allem in Bestandsgebäuden problemlos nachgerüstet werden kann. Sie nutzen die Außenluft und wandeln diese in Heizwärme und Warmwasser um. Für ein Mehrfamilienhaus können, je nach Größe, auch zwei oder mehr Luft-Wasser-Wärmepumpen als sog. Kaskade eingesetzt werden. Um auch in größeren Gebäuden ausreichend Warmwasser zu erzeugen, können bei Bedarf bspw. zusätzliche Frischwasserstationen installiert werden. Um die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Lautstärke der Wärmepumpe auch im Mehrfamilienhaus einzuhalten, können schalldämmende Abdeckungen oder Gehäuse genutzt werden.
Etwas teurer, aber auch effizienter sind Sole-Wasser-Wärmepumpen. Auch bei dieser Wärmepumpenart ist eine Kaskadenschaltung theoretisch möglich. Da Erdwärme – im Vergleich zur Außenluft – im Winter verhältnismäßig wenig abkühlt, eignen sich diese Wärmepumpen besonders für größere Mehrfamilienhäuser. Die Installation setzt allerdings verschiedene behördliche Genehmigungen und aufwändige und teure Bauarbeiten voraus. Daher werden Sole-Wasser-Wärmepumpen vor allem in Neubauten eingesetzt, da die Nachrüstung im Bestand oftmals nicht umsetzbar ist.
Für ältere Gebäude, die einen geringen Sanierungsstandard aufweisen, können auch sog. Hochtemperatur-Wärmepumpen eingesetzt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Wärmepumpen, deren Vorlauftemperaturen bei rund 50 Grad liegen, können diese speziellen Wärmepumpen Temperaturen von 80 bis 100 Grad erreichen. Zwar arbeiten Hochtemperatur-Wärmepumpen etwas weniger effizient, aber können auch schlecht isolierte Mehrfamilienhäuser umweltfreundlich und energiesparend beheizen.
Kosten Wärmepumpe Mehrfamilienhaus: Mit diesen Preisen sollten Sie rechnen
Die Kosten für eine Wärmepumpe liegen, je nach Einsatzgebiet und Modell, zwischen etwa 27.000 und 50.000 Euro. Durch die staatliche Förderung gem. BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) von bis zu 70 Prozent können diese jedoch erheblich reduziert werden. Die am häufigsten eingesetzte Wärmepumpen-Art ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe, die dank der hohen Förderung bereits ab 9.000 Euro inklusive Installation erhältlich ist. Die Kosten von Erdwärmepumpen sind aufgrund ihrer aufwändigen Installation deutlich höher in der und liegen bei ca. 40.000 bis 50.000 Euro pro Einfamilienhaus.
Da Wärmepumpen allerdings oft für Ein- und Zweifamilienhäuser konzipiert sind, müssten die Anschaffungskosten im Mehrfamilienhaus auf die größere Anzahl an Wohneinheiten sowie höheren Anforderungen angepasst werden. Das bedeutet, dass bspw. mehrere Wärmepumpen angeschafft und in sog. Kaskaden geschaltet werden. Je nach Bedarf und Einsatzgebiet können die Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus parallel aber auch einzeln laufen.
Betriebs- & Stromkosten
Wärmepumpen arbeiten äußerst effizient und erzielen Wirkungsgrade von 300 bis 400 Prozent und selbst bei Minusgraden einen Wirkungsgrad von rund 250 Prozent erreichen.
Beispiel: Eine vierköpfige Familie in einem großen Einfamilienhaus verbraucht durchschnittlich etwa 4.000 bis 6.000 kWh Strom pro Jahr für den Betrieb ihrer Wärmepumpe. Bei einer Wärmepumpe in einem 1.000 Quadratmeter großen Mehrfamilienhaus würde der Stromverbrauch dementsprechend bei rund 40.000 kWh liegen. Basierend auf dem aktuellen Strompreis für Wärmepumpen von 29 Cent pro kWh (Stand: Februar 2025) ergeben sich jährliche Stromkosten von 11.600 Euro.
Hinsichtlich Heizkostenverteilung im Mehrfamilienhaus gilt: Wie bei allen anderen Arten von Heizsystemen müssen die Kosten für Heizung und Warmwasser zwischen 50 und 70 Prozent dem tatsächlichen Verbrauch pro individueller Wohneinheit zugeordnet werden.
Staatliche Heizungsförderung
Auch Eigentümer in Mehrfamilienhäusern können bis zu 70 Prozent der Wärmepumpe-Kosten gefördert bekommen. Allerdings ist die Berechnung des genauen Zuschusses etwas komplexer als bei Einfamilienhäusern.
Der maximale Zuschuss von 70 Prozent ist nur für die vom Eigentümer selbstgenutzte Wohneinheit möglich. Für weitere Wohneinheiten steht die Basisförderung (30 Prozent) inkl. ggf. Effizienz-Bonus zur (+5 Prozent) Verfügung.
Die maximal förderfähigen Kosten betragen demzufolge:
- erste Wohneinheit: max. 30.000 Euro
- zweite bis sechste Wohneinheit: max. jeweils 15.000 Euro
- ab siebte Wohneinheit: max. jeweils 8.000 Euro
Hinweis: Eigentümer von vermieteten oder nicht selbstgenutzten Eigentumswohnungen in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG), die Maßnahmen am Sondereigentum umsetzen, ist die Beantragung der KfW-Förderung planmäßig ab März 2025 möglich.
Wärmepumpe für Mehrfamilienhaus: Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einsatz von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern eine vielversprechende Option zur nachhaltigen Wärmeversorgung darstellt. Die vielfältigen Vorteile der Wärmepumpentechnologie, wie die Effizienz, die Umweltfreundlichkeit und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, machen sie zu einer attraktiven und zukunftsfähigen Heizlösung für den Gebäudesektor.
Trotz einiger Herausforderungen, wie den komplexen Eigentumsverhältnissen und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bewohner, bieten moderne Wärmepumpen Lösungen, um die Wärmebedarfe von Mehrfamilienhäusern effektiv zu decken. Die individuelle Dimensionierung der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern ist dabei entscheidend, um sowohl den Heiz- als auch den Warmwasserbedarf effizient abzudecken. Die Wahl der richtigen Wärmepumpenart, sei es Luft-Wasser-, Erdwärme- oder andere Varianten, hängt von Faktoren wie der Gebäudesanierungsstufe, der Heizlast und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Ein sorgfältig durchdachtes Konzept, das auf die spezifischen Anforderungen des Mehrfamilienhauses zugeschnitten ist, kann nicht nur die Heizkosten senken, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Erreichung der Klimaziele leisten.
Trotz der anfänglichen Investitionskosten können staatliche Förderungen und geplante Tarifanpassungen den Umstieg auf Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus finanziell attraktiv machen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie sowie die zunehmende Sensibilisierung für Umweltaspekte lassen hoffen, dass Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung spielen werden.
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